Kein weiterer Flächenfrass durch neue Gewerbegebiete, sondern Nutzung vorhandener Brachen!

Der OV Voralb wendet sich gegen die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiet in einem geschützten Grünzug bei Aichelberg.

Hier die Pressemitteilung:

Kurz vor der Sommerpause wurden in fünf Gemeinden des Gemeindeverwaltungsverbands Raum Bad Boll Beschlüsse für ein neues, 18 ha großes gemeinsames Gewerbegebiet bei Aichelberg verabschiedet. Lediglich in Bad Boll, der größten Verbandsgemeinde, steht die Entscheidung noch aus.
Derzeit ist die dafür vorgesehene Fläche an der A 8 noch durch einen regionalen Grünzug vor Bebauung geschützt. Diese Frischluftschneise soll nun der Ansiedlung eines großen Logistikunternehmens und anderer Betriebe geopfert werden. Dabei sind die Betriebe aufgefordert, nachhaltig zu bauen und zu wirtschaften.
„Wer kontrolliert diese Ziele? Nachhaltigkeit und Logistik passen nicht zusammen“ meint Hans-Ulrich Lay, Gemeinderat in Zell und bezweifelt die Umsetzbarkeit der Nachhaltigkeitsziele.
„Dass das Projekt als Nachhaltigkeitsprojekt verkauft wird, ist nicht nachvollziehbar, denn es widerspricht klar dem Ziel, den Flächenverbrauch einzudämmen. Schließlich sollen 18 ha mehr bebaut werden in einem Bereich, der durch Verkehrswege bereits sehr belastetet ist“, so Hans Ley, Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat Raum Bad Boll.
Auf die von der Region Stuttgart 2019 veröffentlichte Bedarfsanalyse für den Kreis Göppingen verweist Michael Bader, Gemeinderat in Gammelshausen. Der Gesamtbedarf für den Landkreis wird hier mit 18 ha beziffert. 25 ha seien kurzfristig verfügbar, sogar 58 ha von den Kreisgemeinden in den nächsten 5 Jahren seien geplant. „Und das war noch vor dem Einbruch durch Corona. Wir befinden uns jetzt aber in einem radikalen Strukturwandel und der tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Bedarf an Gewerbeflächen und Büroflächen ist derzeit nicht abzuschätzen, auch sind die finanziellen Risiken für die Gemeinden hoch. Man sollte unbedingt abwarten, welche Entwicklungen sich jetzt ergeben und die gegenwärtige Transformation durch öffentliche Gelder intelligenter unterstützen, als sie einfach in das weitere Versiegeln von Flächen zu stecken“, so Bader.
Die Grünen im Bereich Voralb appellieren an die Verantwortung der Regionalplanung, das unwirtschaftliche und ökologisch nicht vertretbare Wettrennen der Gemeinden und Verbände im Landkreis um immer mehr neue Gewerbeflächen – gerade angesichts der tiefen Rezession – unbedingt zu beenden. Gewerbebrachen sollen bevorzugt reaktiviert werden, statt neue Gewerbeflächen auszuweisen.