Stellungnahme der Grünen Liste Bad Boll gegen eine Beteiligung an einem Gewerbegebiet Voralb

Die Gewerbeentwicklung der Voralbgemeinden hat eine lange Geschichte. Ursprünglich waren im Regionalplan in Zell u.A. 20 ha für die Entwicklung ortsansässiger Betriebe aus dem Voralbbereich vorgesehen. Damals gab es große Widerstände in Zell im Blick auf Größe und man einigte sich auf 12 ha in Wängen. Als man dann an eine Erweiterung dachte, hatte sich die Wachtel angesiedelt.

Inzwischen gibt es Überlegungen für das Gebiet im Grünzug in Aichelberg. Es gibt in den sechs Voralbgemeinden aber keine Betriebe mehr, die ein Interesse angemeldet haben. Man würde einen Grünzug aufgeben und ein Gebiet planen für Logistik und für eventuelle, unbekannte, auswärtige Interessenten.

Wir leben inzwischen in einer anderen Zeit, in einer Zeit, wo wir wissen, dass wir mitten drin sind in einem wirtschaftlichen Strukturwandel – gerade bei uns in Baden-Württemberg -, wo wir aufgerufen sind alle uns möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Folgen des Klimawandels noch etwas abzuschwächen und die Coronapandemie uns wie in einem Brennglas aufzeigt, wie gefährdet wir persönlich, aber auch unsere Wirtschaft ist. Wer die Presse z.B. im Blick auf den Standort Untertürkheim verfolgt hat, weiß, dass dort 4000 Arbeitsplätze abgebaut werden und die Produktion ins Ausland verlagert wird (da könnten wir hier mit unseren Gewerbepreisen schon gar nicht mithalten). Auf den freiwerdenden Flächen sollen die neuen Technologien (Batteriefertigung, Brennstoffzellen) angesiedelt werden. Der Ausweg aus der Krise, in der sich Automobilzulieferer und Maschinenbau befinden – wir lesen hier im Raum genauso von Schuler, Allgaier oder Stama in Schlierbach – wird nicht durch die Bereitstellung von neuen Flächen gelingen. Wir brauchen und das betrifft auch andere Industriezweige vielmehr kluge Innovationen und neue Ideen, die eher im home-office statt im Büro geschmiedet und umgesetzt werden oder auf vorhandenen Gewerbeflächen oder auch Brachen, die dafür – zugegebenermaßen mit Aufwand – kompatibel gemacht werden müssen.

Wollen wir wirklich landwirtschaftlich genutzte Freiflächen, die auch der Biodiversität dienen, aufgeben für eine vollkommen ungewisse Zukunft? Versuchen wir nicht Herausforderungen von morgen mit Mitteln von gestern zu begegnen? Oder schielen wir nur auf eine mögliche Gewerbesteuer, deren Zufluss mehr als fraglich ist.

Weitere Punkte:

Problem Logistik: Viel Fläche, wenig Mitarbeiter, Automatisierung, 24 Stunden Betrieb, noch mehr Stau auf der Autobahn.

Nachhaltigkeit: da geht es nicht nur um „Photovoltaik oder Regenwassernutzung“, sondern Grundsatzfragen, ob soziale Gesichtspunkte eingehalten werden, ob Kreislaufwirtschaft ermöglicht wird und letztlich, ob die Aufgabe des Freiraums verantwortet werden kann.

Vergleich der Gewerbeflächensituation im Landkreis man kann den großen Bedarf nicht erkennen, zumal eben auch Gewerbeflächen in nächster Zeit brach fallen werden.  

Struktur: Wir sollen einem Projekt zustimmen, dessen Struktur überhaupt noch nicht geklärt ist. Wie sieht ein solcher Zweckverband aus? Wie laufen Entscheidungsstrukturen? – natürlich kann man einen Zweckverband auch außerhalb des Haushalts gründen, aber deshalb ist er nicht umsonst. 

Schluss: Wir müssen all den genannten Herausforderungen und auch Krisen klug und mit guten Maßnahmen und Projekten begegnen, ein Interkommunales Gewerbegebiet auf der „Grünen Wiese“ gehört für uns nicht dazu.

Bad Boll, den 5.11.2020                     
Die Beteiligung wurde mit 8 zu 6 Stimmen abgelehnt.